Warum “Freundschaftsdienste” Dich nicht weiter bringen: Was ist eigentlich Wertschätzung?

Eine kleine Abrechnung mit all den Furzpiepen, die mir in den letzten Jahren ans Bein gepinkelt oder meine Naivität ausgenutzt haben

Nicht immer habe ich Zeit, alle eingehenden Aufträge selbst zu bearbeiten. Ich wollte ja sogar mal lokale Studios unterstützen, aber wenn Du einen Auftrag in 4stelliger Höhe weiterleitest und nicht mal ein Danke kommt: Das ist halt irgendwie typisch Hannover – oder typisch Deutschland?

Anfragen für individuelle Musikproduktionen, für die ich einfach grad keine Zeit habe, im Volumen von über 100.000 Euro gehen darum seit 2 Jahren halt ins Ausland. Auch gut. Vielleicht bin ich altmodisch, aber es gibt Dinge auf die ich großen Wert lege – Wertschätzung gehört dazu und das ist meiner Meinung nach wichtiger als Geld. Oft reicht ein Danke.

Aber ich habe einige kurze Geschichten für Euch, die sich alle um das Thema Wertschätzung drehen. Manchmal muss man Dinge auch einfach mal aufschreiben und veröffentlichen, um den inneren Seelenfrieden zu finden. Ich habe mit Absicht keine Namen genannt, da es hier nur meine Erfahrungen mit dem Thema Wertschätzung geht und nicht darum, jemanden bloßzustellen.

Geschichte #1: Der Kurzfilm

Es ist nicht das erste Mal: Das letzte Mal, wo ich monatelang sogar kostenlos Musik für einen Kurzfilm produziert habe, der mehrere Filmpreise einsackte und immer noch einsackt, war es im Anschluss nicht mal einen Anruf oder Kaffee seitens des Regisseurs wert. Er war einfach zu eingespannt wegen des Erfolges. Man muss dazu sagen, dass dieser Film vorher einige Jahre nicht fertig produziert werden konnte, weil sich niemand fand der den Soundtrack im Musical-Stil zu absolut schief und frei und absolut ohne jeglichen Takt gesungenem Gesang einspielt.

Der darauffolgende Film dieses Regisseurs kam nicht mehr so gut an, gewann keine Preise, wurde stark kritisiert und verschwand schnell in der Versenkung – so wie er auch. Schöne Bilder sind eben doch nicht alles.

Geschichte #2: Die Rockband

Ein kostenloser Musikvideodreh für eine Band endete noch tragischer: Man wollte mich zum Essen einladen. Nachdem ich nach einigen Monaten darauf hinwies, dass wir noch nicht Essen waren, wurde ich bei Facebook beschimpft (“Du bist kein Musiker”, “Du klaust nur Samples und Loops”), ich wurde jahrelang (vom Bandleader und seinen Freunden) gestalked, meine E-Mail Adresse wurde in Newletterverteiler gepostet, mein Youtube Kanal stand unter Dauerbeschuss von negativen Votes… Seitdem lässt er keine Möglichkeit aus, meine Plattform und mein Geschäftskonzept zu kritisieren, da es ja “den Markt kaputt macht” und “alles keine richtige handgemachte Musik” ist.Das ging sogar soweit dass ich meine Facebook Seite mit über 8000 Fans geschlossen habe, weil ich keine Lust mehr hatte, ständig Kommentare dieser Band und seinen Anhängern zu löschen.

Ich habe übrigens mit 7 Jahren das Keyboard spielen angefangen, betreibe die Musikproduktion seit 2011 professionell und spiele fast alles per Hand ein. Natürlich nutze ich dafür die modernen Hilfsmittel und digitalen Musikinstrumente, die jeder Produzent nutzt – wie soll man sonst ein Orchester digital nachspielen.

Seit Corona habe ich irgendwie Ruhe vor diesem Spinner, womöglich hat er endlich mal Wichtigeres zu tun – oder er versinkt in Selbstmitleid. Zumindest ist er in einem neulich veröffentlichten Video eines Filmemachers in Selbstmitleid versunken. Mein Mitleid hat er nicht.

Geschichte #3: Der Sänger

Die Musikproduktion für einen hannoverschen Musiker, der angeblich eine große Reichweite hatte, endete im Fiasko: Der Musiker fälschte die Klickzahlen seines eigenen Musikvideos indem er Werbung schaltete und die Fans waren auch alle gekauft. Danach veröffentlichte er die Musik unter seinem Namen ohne mich zu nennen. Mittlerweile habe ich die Musik überall sperren lasse – in erster Linie, weil ich Beschwerden von meinen Fans bekam, weil die Nutzung meiner Musik plötzlich auf Youtube zu Urheberrechtsansprüchen von diesem Sänger führte. Er hat also nicht nur meinen Namen vergessen zu nennen, er hat auch noch versucht, bei Youtube damit Geld zu verdienen.

Seitdem veröffentlichte er ein Kinderbuch – mit Illustrationen von einem anderen Zeichner und Texten von einem anderen Autor, die er als eigenes Buch verkauft – oder eher anbietet, weil es ja niemand kaufen will. Musikalisch gesehen ist es sehr still um ihn geworden.

Geschichte #4: Der Techno Jünger

Mit einem anderen hannoverschen Musiker (der damals sogar in einer weltweit bekannten Band dabei war) produzierte ich über einen Monat lang an seinem “Comeback” in Form einer Zusammenarbeit mit mir, wir hatten sogar schon einen Namen für das Projekt. Nach 5 Wochen entschied er sich plötzlich, dass er die Musik gerne nur unter seinem Namen veröffentlichen möchte und ich dann an “Liveauftritten beteiligt werden soll”. Ich teilte ihm mit, dass ich unter diesen Bedingungen nicht mit ihm zusammenarbeite. Einige Wochen später bekam ich Post von seinem Anwalt, weil ich ihn (berechtigt) in einem privaten Gespräch als schizophren bezeichnet habe. Natürlich führte das zu nichts, war aber nervig, vor allem für meine Rechtschutzversicherung und meinen Anwalt.

Großspurig meinte er damals zu mir, dass er sich dann halt einen anderen Produzenten sucht. In den letzten 5 Jahren gab es dann genau einen neuen Song von ihm und der ist so schlimm, dass er sogar von seinen eigenen Fans einen riesengroßen Shitstorm einkassiert hat.

Geschichte #5: Das Liebespaar

Für die Freundin eines Freundes produzierte ich kostenlos einen Song, den sie ihm als “Liebesgeschenk” schenken wollte. Als ich sie darauf hinwies, dass weitere Songs natürlich nicht kostenlos möglich sind und ich ihr die Preise nannte (mit dem aktuellen Song als Beispielberechnung), bekam ich von ihrem Freund eine Nachricht, dass der Aufwand doch minimal sei und sie “nur 2 Stunden für die Gesangsaufnahme” bei mir war. Dass ich ein Abzocker wäre, weil ich plötzlich für weitere Songs über 2000 Euro verlangen würde für nur 2 Stunden Arbeit. Dass das Schreiben der Musik und die Abmischung mit allem drum und dran insgesamt ca. mindestens weitere 20 Stunden Arbeit waren, hat er anscheinend übersehen und wollte er so auch nicht wahrhaben. Seitdem blockiert er mich. Ein Danke kam auch nie von ihr.

Das Paar ist mittlerweile übrigens wieder getrennt. Da er wie ein Schlot raucht und sich vorwiegend von Fleisch und Bier ernährt (64 Mal im Sommer Grillen ist schon eine sportliche Leistung), sind seine Tage aus gesundheitlichen Gründen wahrscheinlich eh gezählt.

Geschichte #6: Der Konzern

Für die Webseite eines bekannten hannoverschen Medienunternehmens hatte ich für 100 Euro monatlich den “Support” übernommen, also das Beantworten von E-Mails. Plötzlich wünschte sich diese Firma, dass ich mit einer Frist von 2 Wochen umfangreiche Neuprogrammierungen der Webseite übernehme – im Umfang von 40-50 Stunden Arbeit. Ich weigerte mich, da dies sicher nicht in einem 100 Euro Support Vertrag eingeschlossen ist. Man muss dazu sagen, dass der Stundenlohn eines selbständigen Programmierers bei 80-120 Euro liegt. Ich vermute, dass ein seniler unfähiger Mitarbeiter, der wahrscheinlich sogar noch mit der Geschäftsführung kopuliert, dort die Vertragsgegebenheiten wohl nicht kannte. Anders kann ich mir diese Forderung bis heute nicht erklären. Ich bekam nach meiner wiederholten Ablehnung dieser Forderung prompt eine Abmahnung von deren Anwaltskanzlei, dass ich gegen den Support-Vertrag verstoßen würde. Auch wenn der darauffolgende Rechtstreit natürlich zu nichts führte, kostete mich der Spaß über 1500 Euro, weil die Rechtschutzversicherung keine Abmahnungen dieser Art bezahlt. Ja, diese Story klingt absolut absurd und unwirklich, aber es ist wirklich so gewesen.

Diese Firma hat zum Glück später noch ihre gerechte Strafe dafür bekommen und teuer bezahlt, Karma ist eben eine Bitch und ich kann sehr nachtragend und böse werden, wenn man mir ans Bein pinkelt.

Geschichte #7: Die “Werbeagentur”

Mit einem alten Bekannten wollte ich damals für seine Werbeagentur in Laatzen Imagefilme produzieren… oder eigentlich er mit mir. Sozusagen als White-Label Lösung unter dem Namen seiner “Agentur”. Die ersten zwei Imagefilme sollten kostenlos sein, als Gegenleistung bot er mir ein Fotoshooting an. Ich weiß, das war bereits jetzt an dieser Stelle eine Dummheit von mir, ich war ein naiver Idiot, da der Aufwand in keinem Verhältnis zueinander stand. Eines dieser Fotos aus dem Shooting verwendete ich als Coverbild für ein neues Musikalbum, die Erlaubnis hatte er mir zuvor erteilt. Dieses Coverbild wurde von einer Zeitschrift dann (ohne mich zu fragen) für einen Artikel über mich benutzt. Der Inhaber der Agentur wollte dann 50 Euro Lizenzgebühren von mir haben für die Nutzung des Album-Covers in der Zeitschrift. Ich teilte ihm mit, dass das nicht im Rahmen meiner Verantwortung liegt, wenn die Presse sich einfach ohne mich zu fragen Fotos schnappt. Daraufhin bekam ich von ihm eine Abmahnung wegen Verstoß gegen das Urheberrecht, da sein Name in der Zeitschrift nicht genannt worden war. Wohlgemerkt: Er hatte zwei Imagefilme kostenlos bekommen, für die er von seinen Kunden Geld kassiert hatte und mit denen er auf seiner Webseite geworben hat und für die Veröffentlichung des Fotos konnte ich auch nichts. Das Ganze ging vor Gericht, wo er dann plötzlich generell abstritt, mir überhaupt die Erlaubnis für das Foto gegeben zu haben. Was folgte, waren für mich 800 Euro Schadenersatz und knapp 1000 Euro Kosten für Gericht und Anwalt – da das Gericht einen schriftlichen Nachweis vom Facebook Messenger nicht akzeptiert, habe ich hier verloren. Sehr wahrscheinlich wäre es heutzutage akzeptiert worden, sagt zumindest der jetzige Anwalt meines Vertrauens.

Die Fotos von mir aus dem “Shooting” hat er übrigens bis zuletzt sogar noch auf Fotolia verkauft – als Stock Fotos.

Zwei Jahre später schaute ich auf seiner Webseite vorbei und was entdeckte ich: Immer noch die zwei Imagefilme von mir, ohne Urhebernennung. Er hat also immer noch mit meiner Arbeit für seine Agentur geworben. Zu dem Zeitpunkt kannte ich mich mittlerweile deutlich besser als früher mit Urheberrecht aus und wusste, was nun zu tun ist. Also habe ich meinen Anwalt eingeschaltet und ihn abmahnen lassen: 1500 Euro Schadenersatz. Natürlich musste er auch noch seinen Anwalt bezahlen. Ich war danach erstmal gut mit meinem Anwalt essen.

Karma ist wieder eine Bitch. Er hat danach übrigens nochmal selbst Imagefilme für seine Kunden gemacht, die aber trotz teurer Kamera total verwackelt sind und absolut unprofessionell aussehen. Selbst Videos mit einem Handy wären wohl professioneller. Damit wirbt er jetzt 🙂

Geschichte #8: Der Schlagerbarde

Es war einmal ein Schlagerbarde, den ich durch einen Bekannten kennenlernte. Er erzählte mir, wie erfolgreich er damals war, er war auf Mallorca mit großen anderen Künstlern unterwegs… bla blubb. Ich habe gesagt, “Okay mein lieber, wir probieren mal ein paar Songs zusammen”. Er erzählte mir, wie toll wir jetzt befreundet sind und dass das alles total toll ist. In der Zeit wo wir Songs produzierten verging kein Tag, wo er sich nicht meldete. Ich glaube es war nach dem Dritten Song, als ich ihm durch die Blume sagte, dass ich leider keine neuen Songs mehr produzieren möchte weil die Ergebnisse nicht meinen Erwartungen entsprechen. Was ich damit eigentlich in Wahrheit meinte: Der Gesang war so schlecht, dass es fast unmöglich war ihn selbst mit Autotune und anderen Technologien zu korrigieren – es klang einfach immer richtig scheiße. Kurz danach blockierte mich seine Frau auf Facebook und von ihm hörte ich nie wieder etwas. Wieder ein Fall von “Wir sind so lange befreundet, solange Du etwas kostenlos für mich machst”. Die Musik hat er danach selbst veröffentlicht – ohne meinen Namen. Es ist tatsächlich der einzige Fall, in dem ich absichtlich darauf verzichtet habe weil mir das Endprodukt einfach peinlich war und ich nicht wollte dass mein Name daneben steht.

Auch von ihm gab es seitdem keinen neuen Song mehr. Auf Facebook ist es still geworden, die letzten “Liveübertragungen” aus dem Wohnzimmer waren höchstens als peinlich zu bezeichnen und seine Frau habe ich letztens ca. 3 Sekunden als Gast in einer RTL Reality Sendung gesehen. Ich habe ihn danach noch einmal live auf einem Fest gesehen: Da haben ihm ein paar Omas in einem Zelt zugehört, während der Rest es vorzog, draußen eine Bratwurst zu essen. Ein typischer Fall von exorbitanter Selbstüberschätzung.

So long…

…. und ich habe noch mindestens 20 weitere solcher Geschichten, vielleicht erweitere ich diesen Blogartikel nach und nach.

Darum habe ich vor einigen Jahren aufgehört, Dinge kostenlos oder als “Freundschaftsdienst” zu tun. Ich vermute auch, dass ich einfach großes Pech hatte. Da Menschenkenntnis nie meine Stärke war, konnte ich durch die ganzen Geschichten zumindest dazulernen, so dass mir solche Dinge schon seit längerem nicht mehr passieren und ich an neue Themen mit einer gesunden Skepsis rangehe.